Einleitung

Nur um es gleich vorweg zu nehmen: Wenn du nur mal bei uns reinschnuppern möchtest um zu schauen, ob Schwertkampf überhaupt etwas für dich ist, erwartet niemand von dir, vollbewaffnet und in Rüstung bei uns zu erscheinen. Hierzu genügt es, wenn du normale und für dich bequeme Trainingskleidung trägst und – je nach Witterung – Sportschuhe für Drinnen oder Draußen mitbringst.
Auch was die Schwerter zum Trainieren betrifft, kannst du erstmal ganz einfach anfangen. Meistens hat jemand ein paar Trainingsschwerter mehr dabei und so seltsam es auch klingen mag, um die Grundbewegungen zu üben, reicht auch ein Besenstiel oder besser ein Bokken – ein japanisches Holzschwert, dass man schon für 10-20 Euro kaufen kann. So bekommst du schon mal einen Eindruck davon, wie sich der Umgang mit einem Schwert anfühlt.

Hast du Gefallen daran gefunden und möchtest du regelmäßig bei uns trainieren – sei es, um bei Schaukämpfen auftreten, in Wettkämpfen antreten oder einfach nur um Spaß haben zu können – wirst du früher oder später aber nicht um eine passende Ausrüstung herum kommen. – Und genau darum soll es auf dieser Seite gehen.

Was ist eigentlich dieses HEMA?

Wenn du bei uns trainiertst oder dich näher mit dem Schwertkampf beschäftigst, wirst du früher oder später auf die Abkürzung HEMA treffen.
HEMA steht für „Historical European martial arts“ – zu Deutsch „Historische Kampfkünste“ – und bezieht sich auf Kampftechniken, die in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert verbreitet waren. In dieser Zeit existierten verschiedene Fechtstile, auch Schulen genannt. Diese unterschieden sich neben ihrer Herkunft (Deutschland, Italien, Spanien, England, Frankreich) vor allem in den eingesetzten Waffen.

Im Gegensatz zum asiatischen Raum haben die historischen Kampfkünste Europas teilweise seit dem 17. Jahrhundert keine lebende Tradition mehr gehabt und sind nur noch in Form von Fechtbüchern erhalten geblieben. Diese Bücher bilden die Basis für unser Training.

Was willst du?

Das, was du an Ausrüstung – Schutzkleidung und Waffen – brauchst, hängt natürlich auch ein wenig davon ab, was du überhaupt machen möchtest und in welchem Bereich deine Interessen liegen.

Fechtmasken und Kleidung gibt es in unterschiedlichen Schutzklassen. Wer einfach nur Spaß am Sport haben oder bei Conventions dabei sein möchte, hat andere Anforderungen als jemand, der bei Schaukämpfen mit richtigem Körperkontakt auftreten oder bei mittelalterlichen Turnieren antreten will.

In jedem Fall sollte man das Risiko, sich beim Zweikampf zu verletzen – auch wenn es nur einfache Trainingsübungen sind – Ernst nehmen. Einmal falsch geblockt und auch ein Plastikschwert hinterlässt eine blutende Platzwunde im Gesicht. Und wirklich niemand möchte die Klinge eines Holzschwertes auf seinen Fingerknöcheln spüren.


Basis

Egal für welchen Weg du dich letztlich entscheidest – und du kannst natürlich auch jederzeit wechseln – ein paar Basis-Gegenstände sollte deine Ausrüstung in jedem Fall enthalten. Dann kannst du bereits problemlos bei den meisten Übungen mitmachen und das Risiko von Verletzungen dabei minimieren.

Fechtmaske

Fechtmasken schützen dein Gesicht und den vorderen Teil des Kopfes und sind die Grundvoraussetzung für jedes weiterführende Training. Jede Maske ist für eine bestimmte Trefferabsorbtion ausgelegt. Für einfaches Training, leichtes Sparring oder zum Üben von Schaukämpfen reicht eine Maske mit 300N gerade noch aus. Wenn es härter zur Sache geht oder bei Wettkämpfen und Turnieren brauchst du jedoch 1600N.

Handschuhe

Handschuhe sind ebenso Pflicht wie eine Fechtmaske. Sie sollen deine Finger und Knöchel vor Quetschungen und Prellungen schützen. Dabei musst du immer einen Kompromiss aus Schutz und Flexibilität finden. Leichte Fechthandschuhe schützen vor Kratzern und „sanften“ Treffern, helfen bei den harten Schlägen eines Zweihänders aber nur wenig. Dick gepolsterte Handschuhe mit zusätzlichen Protektoren schützen davor zwar besser, erschweren dir aber das Führen des eigenes Schwertes.

Trainingsschwert (Plastik)

Für den Einstieg muss es sicherlich kein handgeschmiedetes Metallschwert sein. Einige Hersteller bieten auch günstige und gute Schwerter aus Plastik an (z.Bsp. Red Dragon HEMA Synthetic Sparring Swords), die für das Training gut geeignet sind. Der Vorteil solcher Schwerter ist ihre einfache Handhabung, lange Haltbarkeit bei geringem Pflegeaufwand und der günstige Preis. Bei der Wahl des passenden Schwertes solltest du auf Größe, Gewicht, Balance und natürlich Robustheit achten.

  • Gesamtlänge zwischen 120 und 140 cm
  • Gesamtgewicht mindestens 600-700 Gramm
  • Möglichst Zweihändig zu führen (z.Bsp. Langschwert, Griff mindestens 25 cm lang)

Anmerkung: Viele Übungen setzen ein Schwert mit Kreuzstange voraus. Katana, Bokken oder Lichtschwerter besitzen in der Regel kein solches Kreuz und erfordern daher ein Umdenken oder Anpassen der Übungen. Beim Erlernen der Grundlagen stößt man mit diesen Waffen daher irgendwann an seine Grenzen. Aber natürlich spricht Nichts dagegen, trotzdem damit zu üben und bei Schaukämpfen oder Turnieren (Lichtschwerter) aufzutreten.


Fortgeschritten

Mit Fechtmaske, Handschuhen und Trainingsschwert kannst du bereits die meisten einfachen Übungen problemlos mitmachen und auch mit einem Partner trainieren. Dennoch ist das natürlich erst der Anfang und andere Techniken erfordern auch andere Schutzmaßnahmen.

Maskenpolsterung mit Hinterkopfschutz

Polsterungen werden wie eine Haube oder Mütze über die Fechtmaske gezogen und können deutlich mehr Wucht abfangen, als die bloße Maske. Sie schützen deinen Kopf vor seitlichen Schlägen und vor allem von Hinten – etwas, dass eine einfache Fechtmaske nicht kann. Und gerade im mittelalterlichen Schwertkampf kann dieser zusätzliche Schutz nur dringend empfohlen werden. Darüber hinaus bieten einige Polsterungen auch noch einen Halsschutz.

Halsschutz

Ein zusätzlicher Halsschutz erweitert den rudimentären Schutz, den eine Fechtmaske in diesem Bereich bietet. Je nach Ausführung wird dein Hals – auch gegen Schläge von der Seite – und ebenfalls dein Brustbein geschützt. Zwar wirst du einen Halsschutz nicht unbedingt bei jeder Übung brauchen, aber einen dabei zu haben, ist sicherlich nicht verkehrt.

Trainingsschwert (Metall)

Wenn du es etwas realistischer magst, kannst du auch zu einer Fechtfeder – auch einfach Feder genannt – greifen. Dabei handelt es sich um ein Schwert mit einer stumpfen und flexiblen Klinge aus Stahl. Federn sind etwas schmaler als echte Langschwerter, aber von Gewicht und Größe her sehr ähnlich. Auffällig ist die Abstufung vor der Kreuzstange – Ricasso oder Schilt genannt – zum Schutz der Finger.

  • Gesamtlänge zwischen 120 und 140 cm
  • Gesamtgewicht zwischen 1200 und 1600 Gramm
  • Zweihändig zu führen

Profi

Die Überschrift „Profi“ ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, denn im Grunde genommen lassen sich die hier aufgeführten Dinge von jedem Nutzen, der ernsthaft den Schwertkampf trainieren will. Spätestens wenn du auf Turnieren antreten oder Wettkämpfe bestreiten willst, wirst du diese Dinge brauchen.

Fechtjacke

Eine Fechtjacke schützt deinen Oberkörper vor direktem Schwertkontakt und dämpft Hiebe und Stiche ab. Eine Besonderheit bei „echten“ Fechtjacken sind die Ärmel: Diese sind so angebracht, dass die Jacke nicht nach oben rutscht, auch wenn du deine Arme über den Kopf streckst.

Für den Anfang mag auch eine feste gefütterte Jacke (z.Bsp. Motorrad-Lederjacke) oder ein Gambeson ausreichen, um Treffer ein wenig zu dämpfen, aber einen wirklichen Schutz können sie nicht bieten.

Von Westen mit BMX- oder Motocross-Protektoren ist eher abzuraten. Grundsätzlich bieten dir diese natürlich auch einen gewissen Schutz. Allerdings sind deren Protektoren eher für großflächige Kraftverteilung ausgelegt (Aufschlag des Körpers auf dem Boden) und weniger für punktuelle Schläge und Stiche. Im Zweifelsfall wird die Schwertspitze ein Loch zwischen zwei Platten finden und dann war’s das mit dem Schutz.

Armschützer & Beinschützer

Deine Knie und Ellbogen müssen bei intensivem Sparring und Turnierkämpfen zwingend geschützt werden. Denn Treffer an diesen Stellen sind nicht nur sehr schmerzhaft, sondern können auch leicht zu unschönen Verletzungen führen.

Im Gegensatz zu Fechtjacken können hierbei sogar Protektoren aus dem BMX- und Motocrossbereich oder für das Fahren von Inlinern zum Einsatz kommen. Du musst nur darauf achten, dass diese eine vernünftige Stabilität (harte Einlagen) besitzen und vor allem die Knieschoner auch die Seiten mit einer harten Schale schützen. Das Gleiche trifft auf deine Ellbogen zu. Auch diese sollten durch eine feste Hülle geschützt werden.

Deine Unterarme werden zwar häufiger getroffen werden, allerdings sollte eine gute Fechtjacke dafür sorgen, dass du dabei keine ernsten Verletzungen davon trägst.

Brustschutz & Tiefschutz

Auch wenn es natürlich nicht unser Ziel ist, einen Schlag zwischen die Beine des Gegners zu setzen, so ist ein Treffer an dieser Stelle doch umso schmerzhafter – daher gibt es sowohl für Männer, als auch für Frauen, einen sog. Tiefschutz.

Ebenfalls für Frauen und Männer gibt es auch einen Brustschutz. Ob diese für dich sinnvoll ist, hängt natürlich auch davon ab, was/wie du trainierst und welche andere Schutzausrüstung (Fechtjacke) du trägst.


Bezugsquellen

Jetzt hast du eine ganze Menge zur Ausrüstung gehört, aber wo bekommst du den ganzen Kram her und was kostet das? Michael, unser HEMA-Trainer, hat dazu mal ein paar Seiten heraus gesucht, auf denen du die passende Ausrüstung finden kannst.

The HEMA Shop: Ein englischer Händler mit einer guten Auswahl und sehr guten Preisen. Hier haben schon einige unserer Mitglieder bestellt. Die Versandkosten halten sich im Rahmen, aber beachtet, dass bei Bestellungen in UK inzwischen Zoll fällig wird.

FAITS D’ARMES: Ein französischer Händler mit einer großen Auswahl an Produkten.

TRAININGSSCHWERTER: Ein deutscher Shop, der neben HEMA-Ausrüstung auch eine große Auswahl an LARP-Artikeln anbietet.

IN MOTU: Der Web-Shop der Schule für Deutsche Kampfkünste.


Alle Bilder auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung von The Knight Shop International Ltd.

Disclaimer: Die hier gemachten Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für Vollständigkeit oder Richtigkeit kann jedoch keine Garantie gegeben oder Haftung übernommen werden.